Könntest du dich bitte kurz vorstellen? Seit wann bist du in HErZ involviert?
Ich habe von 1980 bis 1985 Meteorologie an der Humboldt-Universität zu Berlin studiert. Nach dem Studium war ich zunächst für drei Jahre in der Flugwettervorhersage tätig, anschließend arbeitete ich als Wissenschaftler auf dem Gebiet der Umweltmeteorologie in verschiedenen Forschungs-Instituten. 1997 übernahm ich am Meteorologischen Observatorium Lindenberg des DWD die Leitung der Arbeitsgruppe „Grenzschichtprozesse“.
2017 wurde ich zur DWD-Kontaktperson für die Nutzung atmosphärischer Messdaten in HErZ ernannt und begleite seither die experimentellen Projekte und Aktivitäten in HErZ. Auf dem HErZ-Jahrestreffen 2017 unterbreitete ich den Vorschlag, in Lindenberg ein Feldexperiment durchzuführen, um die Nutzung von Messdaten in HErZ zu stärken und die Vernetzung der HErZ-Projektgruppen zu unterstützen. Dies führte zur Planung der FESSTVaL-Messkampagne, die 2021 in Lindenberg durchgeführt wurde.
Warum ist HErZ aus deiner Sicht für den DWD wichtig?
HErZ hat es ermöglicht, Themen, die für den DWD als nationalem Wetterdienst relevant sind, an deutschen Universitäten zu verankern. In der Vor-HErZ-Zeit wurden z.B. Hintergrund und Methoden der Datenassimilation für die Numerische Wettervorhersage (NWV) an deutschen Universitäten nicht gelehrt. Die Präsenz solcher Themen in der universitären Ausbildung ermöglicht es, junge Wissenschaftler für Aufgaben und Arbeiten des DWD zu interessieren. Inzwischen gibt es zahlreiche Beispiele ehemaliger HErZ-Doktoranden und Postdoktoranden, die eine (permanente) Anstellung im DWD gefunden haben. Ein anderer wichtiger Aspekt ist die Zusammenarbeit von DWD-Wissenschaftler*innen mit externen Forschungsgruppen insbesondere an Universitäten, was die Perspektiven der DWD-Mitarbeiter*innen über den Horizont einer staatlichen Behörde hinaus erweitert.
Was sind Erfolgsgeschichte im DWD, die ohne HErZ nicht stattgefunden hätten?
HErZ trägt wesentlich zur Stärkung der NWV im DWD und zur Erweiterung seines Produkt- und Dienstleistungsangebotes bei. Das umfasst z.B. die Erschließung und Einführung neuer Methoden und Datensätze für die Datenassimilation, die Entwicklung und verbreitete Nutzung von Re-Analyse-Datensätzen, oder den Dialog mit speziellen Nutzergruppen wie Feuerwehren und Verkehrs-Management, sowie Methoden der Kommunikation von Vorhersagen und Warnungen an die Öffentlichkeit. Wie bereits oben erwähnt profitiert der DWD bei der Gewinnung von wissenschaftlichem Personal von der Ausbildung und wissenschaftlichen Arbeiten zu DWD-Themen an den Universitäten. Und FESSTVaL hätte es ohne HErZ nicht gegeben. Dieses Feldexperiment lieferte einen unikalen hochaufgelösten Datensatz zur raum-zeitlichen Struktur kleinräumiger atmosphärischer Phänomene wie konvektiver Cold Pools. FESSTVaL war darüber hinaus die Blaupause für die VITAL II Messkampagne, die gerade in der Kölner Bucht begonnen hat.
Mit welchen Herausforderungen in der Grundlagenforschung könnte HErZ den DWD in die Zukunft weiterhin unterstützen?
HErZ könnte zur Bewertung des Nutzens für die NWV und zur Konfiguration moderner boden- und satellitengestützer Fernsondierungssystme durch sogenannte “Observing System Simulation Experiments” (OSSE’s) beitragen. Durch Modellstudien mittels Large-Eddy-Simulationen (LES) könnten geeignete Messstrategien für bodengebundener Fernsondierungssysteme identifiziert werden, ein Beispiel hierfür ist die Studie von Rahlves et al. (2022). Forschung in HErZ könnte gleichermaßen dazu beitragen, den immensen Wert der Daten aktueller Satellitenmission (z.B. Earthcare, MTG Sounder) umfassend zu erschließen, moderne Werkzeuge der Künstlichen Intelligenz für die Qualitätskontrolle von (Routine-)Messdaten einzusetzen, und Parametrisierungen in den NWV-Modellen zur verbessern und an eine höhere Modellauflösung anzupassen. Hierfür sind die Messdaten der HErZ-Experimente (FESSTVaL, VITAL II), ebenso wie die Langzeit-Datensätze der Observatorien und aus dem DWD-Messnetz eine wertvolle Datenbasis.
Möchtest du etwas ergänzen?
Ich würde mich freuen, HErZ auch in der Zukunft weiter unterstützen und meine Erfahrungen dem wissenschaftlichen Nachwuchs vermitteln zu können.
